RHV - Aydan Özoguz: "Flüchtlinge in die Mitte unserer Gesellschaft holen"

23. Februar 2015 | Integration und Migration

Staatsministerin und SPD-Landtags-Fraktionschef würdigen Arbeit des Helferkreises "Asyl"

Hoher Besuch im Rother Asyl-Café. Aydan Özoguz, Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration auf Bundesebene sowie SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher nutzten ihre Stippvisite in Roth, um sich bei den Mitgliedern des Rother Helferkreises Asyl herzlich für ihr Engagement zu bedanken. Diese wiederum gaben den beiden Politikern einige Punkte zum Nachdenken mit auf den Heimweg.

Flüchtlinge in die Mitte unserer Gesellschaft holen (PDF, 1,22 MB)

Özoguz, eine gebürtige Hamburgerin, hatte sich für den Tag in Franken viel vorgenommen und schaute zwischen dem Besuch in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf und einer politischen Aschermittwochs-Rede am Abend in Schwarzenbruck für rund eine Stunde im Asyl-Café in Roth vorbei und diskutierte dort mit den Helfern.

Aktiver Helferkreis

Der Rother Helferkreis „Asyl“ hat sich im November 2012 gegründet, als die ersten Asylbewerber aus Zirndorf in die Kreisstadt kamen. 19 Personen waren es damals. In Privatunterkünften leben heute 40 Asylbewerber, in der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Kurzzeitpflegeheim der Diakonie am Sieh-Dich-Für-Weg sind es rund 75 Personen, 60 weitere Asylbewerber kommen hinzu, wenn die neue Wohnanlage in der Nähe des Bahnhofs fertig ist. Auch in Pfaffenhofen soll demnächst eine Gemeinschaftsunterkunft errichtet werden. Heute gehören dem Helferkreis 40 Personen an. Sie begleiten die Flüchtlinge bei Arztbesuchen, Behördengängen, helfen Kindern bei den Hausaufgaben und den Erwachsenen beim Zurechtfinden in Alltagssituationen.

Dass die vermehrte Aufnahme von Asylbewerbern auch den Landkreis Roth und die ehrenamtlichen Helfer vor große Probleme stellt, betonte eingangs SPD-Kreisvorsitzender Sven Ehrhardt. Die Ministerin wurde genauer. „Waren es 2007 in ganz Deutschland insgesamt 20 000 Asylanträge, so sind es derzeit ebenso viele im Monat“. Angesichts dieser Zahl freute sich Aydan Özoguz über die enorme Hilfsbereitschaft im Land. „Was da von Helfern geleistet wird, macht mich wirklich stolz“. Gleichzeitig erinnerte sie an das Leid in den Kriegsgebieten der Welt. „Wir als eine der stärksten Wirtschaftsnationen der Welt sind aufgerufen, zu helfen“, sagte sie. In der Diskussion dürfe man aber keine Ängste vor sogenannter Überfremdung schüren. „Wer sagt, dass halb Afrika bei uns Asyl will, der weckt bei den Bürgern falsche Gefühle“. Auch Markus Rinderspacher kennt derartige markante Sprüche von namhaften bayerischen Politikern. Sätze wie „Bis zur letzten Patrone gegen den Sozialtourismus“ seien unverantwortlich.

Aydan Özoguz

Wichtig seien beschleunigte Verfahren oder schnelle Abschiebungen. Hierfür seien beim Bundesamt für Migration im vergangenen Jahr schon 300 neue Stellen geschaffen worden, weitere seien geplant. Wichtig sei, den Flüchtlingen eine Perspektive zu geben, waren Özoguz und Rinderspacher überzeugt. Beide ließen in jüngster Zeit auch keine Gelegenheit aus, den ehrenamtlichen Helfern öffentlich zu danken. Durch helfende Hände würde viel Positives passieren und viele Menschen trügen so mit großem Engagement zu einer gelingenden vielfältigen Gesellschaft in Deutschland bei, so die Ministerin.

Özoguz wurde 1967 als Kind türkischer Kaufleute in Hamburg geboren. Dort verbrachte sie auch ihre Kindheit und absolvierte ein Magister-Studium mit dem Hauptfach Anglistik. 1989 nahm sie die deutsche Staatsangehörigkeit an. Ehe sie 2009 in den Bundestag gewählt wurde, arbeitete sie über 15 Jahre für die Körber-Stiftung in Hamburg und koordinierte dort Integrationsprojekte .

Edgar Griese und Leonhard Weiß, die beiden Sprecher des Helferkreises, zeigten der Ministerin aber auch die Probleme auf, mit denen sich die Helfer tagtäglich konfrontiert sehen. So gebe es im Schulwesen Nachholbedarf, gerade was Übergangsklassen anbelangt. Kritisiert wurde aber auch die Dauer eines Asylverfahrens. Ist man anerkannt, sei es sehr schwer, einen Arbeitsplatz zu finden oder eine Wohnung für die Familie. Für einen Beruf benötige man meist einen Führerschein. Doch das Umschreiben einer vorhandenen Fahrerlaubnis sei schon problembehaftet. Mehr noch die Führerscheinprüfung selbst. Menschen aus den arabischen Ländern stünde der Fragenkatalog nicht in ihrer Landessprache zur Verfügung. Eine weitere Forderung war, dass die Asylbewerber eine einmal begonnene Ausbildung auch beenden können. Dies sei auch im Sinne der Arbeitgeber.

Dass die Deutschkenntnisse oft nicht ausreichen, wirke immer wie ein Hemmschuh. Hilfreich wäre es, so ein anderer Helfer, wenn deutschlandweit die gleichen Lernbücher angeboten werden, das würde auch die Arbeit der Helfer erleichtern. Hierzu bot sich spontan Karin Duman-Geiß von der städtischen Volkshochschule für ein Gespräch an.

Für die gewährte Unterstützung dankten Griese und Weiß nicht nur der Stadt Roth sondern auch der Regierung von Mittelfranken. Auch erhalte man den nötigen Rückhalt aus der Bevölkerung, so Griese. „Wir sind eine Art Mittler, und unsere Mitmenschen sollen erkennen, dass der von uns betreute Personenkreis ganz normale Menschen sind“. Rascher integrieren

Dass zur besseren Integration die entsprechenden Sprachkenntnisse vorhanden sein müssen, ist sich die Ministerin sicher. „Wir müssen diese Menschen in die Mitte unserer Gesellschaft holen“, sagte sie und bat die Helfer, in ihrem Engagement nicht nachzulassen.

Dass in jüngster Zeit seitens der Behörden Fehler in der Organisation sichtbar geworden seien, sei hausgemacht, da die während des Balkankrieges aufgebaute Infrastruktur nicht mehr vorhanden gewesen sei. Als absolut dringend bezeichnete sie es, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren, „das hilft allen, nicht nur den Flüchtlingen“.

Helferin Hildegard Genniges erinnerte an die deutsche Geschichte, als nach dem Zweiten Weltkrieg Deutsche in anderen Ländern Asyl erhielten. Nun könne man diese Herzlichkeit zurückgeben. Und die Politik erinnerte sie daran, nicht erst dann einzugreifen, wenn ein Flüchtlingsschiff untergegangen ist, sondern vorausschauend dazu beizutragen, dass es nicht soweit kommt.

DETLEF GSÄNGER

Bericht der Roth-Hilpoltsteiner-Volkzeitung

Text und Bild mit freundlicher Genehmigung der Roth-Hilpoltsteiner-Volkszeitung

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