Lernen braucht Zeit – und Schule braucht Zei

20. Dezember 2007 | Bildungspolitik

Wenn Schule nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern und Eltern Spaß macht – der Idealzustand, aber leider nicht selbstverständlich, meint Gerhard Koller. Er ist 1. Vorsitzender der Bildungsregion Forchheim und zu Gast beim SPD-Kreisvorstand und bei der Kreistagsfraktion. Gekommen ist Koller, um auf dem Weg zu mehr Ganztagsschulen für „sein Modell“ einer „Tagesschule“ Mitstreiter zu gewinnen.

Werben für Ganztagsschule „Lernen braucht Zeit – und Schule braucht Zeit“, so Koller. Viele andere Länder hätten das erkannt und umgesetzt. Deutschland stehe mit der Halbtagsschule, die von einem überholten Familienbild ausgehe, weltweit isoliert da. Leider sei die Ganztagsschuldiskussion in den letzten Jahrzehnten – ähnlich wie die Gesamtschuldiskussion – oft stark ideologisiert und wenig sachlich geführt worden. Dadurch sei der Weg zur Ganztagsschule in den einzelnen Bundesländern auch sehr unterschiedlich. Die jetzige Methode in Bayern, erst mal mit einzelnen „Ganztageszügen“ zu starten, macht in Kollers Augen wenig Sinn und geht im Schneckentempo voran. Und das bei allen Lippenbekenntnissen zur Bildung: „Ganztagsschule macht nur Sinn als eine ganztägig andere Schule“. Sie müsse pädagogisch intensiver und qualitativ anspruchsvoller sein als andere Schulen. Die Vorfreude der Kinder auf sich selbst müsse geweckt werden.

Finanzierung Der Schritt von der Halbtagsschule zur Ganztagsschule scheitere in den meisten Fällen an der Finanzierung und am zusätzlichen Lehrerbedarf. „So werden Halbtagsklassen neben Ganztagsklassen geführt, was zusätzlichen organisatorischen (und auch pädagogischen und kollegialen) Mehraufwand bedeutet. Und nur einige Schüler profitieren davon.“

Alternative: Tagesschule Als Alternative zu gebundener oder offener Ganztagsschulklasse stellt Koller ein drittes Modell vor, dem sich im Landkreis Forchheim schon mehrere Schulen angeschlossen haben: Die Tagesschule. Der Hauptvorteil: nicht nur ein Zug übernimmt das Modell ab der fünften Klasse, sondern nach einer Probephase von ca. 2 Monaten die ganze Schule.

Die Tagesschule vereinigt Behörden, Schulen und weitere Bildungseinrichtungen, aber auch Vertreter aus der Kommunalpolitik, der Presse und der Wirtschaft. Ihre Ziele: Ein breites Interesses an Bildung und Erziehung wecken und die Bedeutung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Region herausheben. Alle an Bildung beteiligten Institutionen, Personen und Unternehmen werden vernetzt. Eine kontinuierliche Qualitätssteigerung und –sicherung der gesamten Bildungsarbeit und die Sicherung eines zukunftsweisenden Bildungsangebotes findet statt.

Positive Erfahrungen sprechen für sich Nach nunmehr zwei Jahren ist in gemeinsamer Aktion von Schule, Eltern und Gemeinde das Konzept einer Tagesschule entstanden, erprobt und umgesetzt worden. Das Ergebnis: Gravierende positive Veränderungen für alle Beteiligten. Unter Einsatz geringer, in der Regel bereits verfügbarer Ressourcen wurde eine Alternative zur Ganztagsschule für alle Schüler geschaffen. Mit diesem Modell nahm die Schule auch am Ganztagsschulkongress 2007 teil. Die Möglichkeit zu solchen Veränderungen haben alle Schulen. Das Besondere: jede Schule kann ein auf ihren Bereich abgestimmtes Konzept entwickeln. Dazu braucht es Ideen, Mut, gegenseitiges Vertrauen, Offenheit – und vor allem einen Blick für die Kinder.

Ein auf die jeweilige Schule zugeschnittenes Konzept Der erfahrene Pädagoge – selbst Leiter des Schulamtes im Landkreis Forchheim - weiß, dass es nicht leicht ist, für ein besseres Bild unserer Schulen zu sorgen. Ihm geht es nicht um Einzellösungen. Er will die Schule verändern. Anhand seines Modellbeispiels aus dem Landkreis Forchheim zeigt Koller, dass es funktioniert. Es geht Lehrern, Schülern und Eltern besser und verursacht nicht mehr Kosten. Es folgt einem Tagesablauf, der den Kindern gerechter wird. Schule beginnt um neun Uhr, ab 07.30 Uhr werden die Kinder betreut. Der Vormittagsunterricht endet um 12 Uhr, anschließend folgt das gemeinsame Mittagessen- mit durchaus positiven Ergebnissen. Denn nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer setzen sich zusammen und finden Zeit für Gespräche. Das Essen kann mitgebracht oder bestellt werden. Nachmittags sind weitere 2 Stunden Unterricht, die Kinder sind betreut bis gegen 15.00 Uhr und haben, wenn sie nach Hause kommen, in der Regel ihre Hausaufgaben erledigt.

„Oberstes politisches Ziel bleibt die Veränderung des Bildungssystems hin zu kleineren Klassen und individueller Förderung der Kinder“, fasst Kreisvorsitzende Christine Rodarius die Diskussion zusammen. „Aber warum sollen Sachaufwandsträger, Schule und Eltern nicht ein Konzept entwickeln können, das auf ihre jeweilige Schule zugeschnitten ist? Dadurch bleibt mehr Freiraum für eigene Entscheidungen, die Schule wird aufgewertet. Und die Gemeinde kann mit einem attraktiven Schulkonzept für sich werben.“ So werde Schule von allen Beteiligten als Lern- und Lebensraum erfahren, in dem sich alle, vor allem auch die Kinder, zunehmend wohl fühlten.

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