Die „Wertegesellschaft“ nicht zur „Wertpapiergesellschaft“ verkommen lassen

18. Mai 2013

Wendelstein – „Politik ist ein schmutziges Geschäft“, so kündigte es der Titel der Veranstaltung an. Aber Christian Nürnberger, Autor und Bundestagskandidat der SPD im Wahlkreis Roth, beließ es bei der Lesung im Casa de la Trova in Wendelstein nicht bei einer Politikerschelte, sondern stellte den Skandalen von Franz-Josef Strauß bis Ulli Hoeneß seine Ansichten von Moral, ethischem Handeln und politischer Verantwortung gegenüber.

Der Autor sparte sich eine Einleitung und nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise der Skandale, angefangen bei den Fällen Hoeneß (Steuersünder) und Dagmar Wöhrl (Nebeneinkünfte), über die Finanzkrise und fragwürdige Bankenrettungen bis zurück zu den klassischen „Amigo“-Zeiten in Bayern, als der CSU-Politiker Max Streibl nach Zuwendungen von Industrieunternehmen zurücktreten musste.

„Das bei beinahe allen dieser Vorfälle mit zweierlei Maß gemessen wurde und immer noch wird, dass die kleinen Fische büßen müssen, die großen aber davonkommen oder gar nicht erst in den Fokus geraten – das hinterlässt Wut, auch berechtigte Wut, bei den Bürgern“, so Christian Nürnberger. „Jeder dieser Fälle hat dem Lager der Nicht-Wähler und Politik(er)-verdrossenen Zuwachs beschert“. Er kritisierte aber auch die Medienhetze, die zum Eindruck beitrage, dass man alle Politiker in einen Sack stecken und draufhauen kann, es trifft immer den richtigen.

Besorgt richtete Nürnberger den Blick in die Zukunft: „Das wichtigste politische Problem der westlichen Demokratien ist nicht die Schuldenkrise. Auch nicht der Klimawandel oder die Energiewende. Das wichtigste Problem aller Demokratien nach westlichem Muster ist die Demokratie selbst. Sie kommt uns seit rund anderthalb Jahrzehnten abhanden. „

Nürnberger fordert daher, „dass Medien wieder ihren ursprünglichen Auftrag erfüllen: informieren, aufklären, kritisieren und auf hohem Niveau unterhalten.“ Er will die Demokratie re-etablieren, und dafür sorgen, dass wieder der Souverän, das Volk, bestimmt, wie wir in Europa leben und arbeiten wollen.

Der Bundestagskandidat sieht seine Aufgabe dabei nicht in erster Linie in Berlin. Denn wichtiger als die Arbeit im Parlament sei es, vor Ort Politik zu machen. „Man muss die Bürger aktivieren, man muss die Eltern gewinnen, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, man muss dazu die Rentner gewinnen, denen das Golfspielen auf Dauer auch langweilig wird.“ Die Wertegesellschaft entsteht nicht in Berlin, sondern zwischen engagierten Bürgern vor Ort.

Abschließend appellierte Christian Nürnberger: „Machen wir ihnen einen Strich durch die Rechnung. Geben wir den Menschen und der Arbeit die Würde zurück. Beschneiden wir das ausufernde Streben nach Eigennutz. Und gießen wir die Pflänzchen der Gerechtigkeit, der Solidarität, der Freiheit und der Gleichheit. Dieser ewige Kampf muss immer und immerzu geführt werden. Ich bin dazu bereit, und ich bin mit gewiss: Sie sind es auch. Und ich freue mich auf diesen Kampf mit Ihnen an Ihrer Seite.“

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